BILDUNGSCAMPUS
WITTSTOCK/DOSSE

Offener Realisierungswettbewerb

Susanne Seyfert
Matthias Seyfert

Sebastian Wimmer
Vinzent Wallner

06|2019 – 09|2019

REALISIERUNGSWETTBEWERB BILDUNGSCAMPUS WITTSTOCK/ DOSSE

NEUSTART | INVESTITION IN BILDUNG
Die Gebäude der ehemaligen Tuchfabrik sind auch nach 25 Jahren Leerstand und Verfall prägend für das gesamte Umfeld. Bisher hatte kein Nachnutzungskonzept Erfolg.
Die Implementierung eines Bildungscampus erscheint ideal, da eine Vielzahl von Funktionen auf ein reiches Angebot vorhandener Räume trifft.
Der Industriecharme ist Grundlage für die Atmosphäre des neuen Schulzentrums.
Das Symbol: Die Zukunft findet Platz in Räumen die vor 120 Jahren schon mal die Zukunft bedeuteten und die nun als Bildungsstandort wiederbelebt werden.

WELCHER RAUM PASST ZU WELCHER FUNKTION
In der Aufgabenstellung war schon angelegt die Mensa in der großflächigen Sheddachhalle unterzubringen. Die Klassentrakte im Geschossbau anzusiedeln ist naheliegend.
Sheddachhallen: Ergänzend kommen zur Mensa geteilte Funktionen wie Aula, die Musikräume (da eine Nähe zur Aula gewünscht ist) und die Werkräume (da ebenerdige Anordnung sinnvoll erscheint).
Geschossbau: Alle Funktionen welche dem Unterricht/ den Klassenräumen direkt zuordenbar sind, wie Fachklassen, Garderoben, Ganztagsbereich werden hier untergebracht.
Trocknungshaus und Kesselhalle: Die Verwaltung und Arbeitsbereich der Lehrer passen strukturell gut in diese Räume und liegen zentral zu den anderen Funktionen.

NEUES HERZ – ELLIPSENRUNDGANG
Ein elliptischer Umgang verbindet alle Bauteile. Gleichzeitig bildet sich ein zentraler Ruhepunkt.
Verdichtung aller Aktivitäten neben absoluter Ruhe im Zengarten. Dieses Spannungsfeld macht neugierig und gibt Orientierung.
Alle Bauteile sind von hier aus zu sehen und zu verstehen. Organisation ohne Hinweisschilder und Leitsysteme wird angestrebt.
Die neuen Eingänge nach Osten und Westen docken selbstverständlich hier an.
Die Abtrennung einzelner Funktionsbereiche ist möglich und ist Grundlage für externe Nutzungen.

MENSA, AULA, MUSIK, WERKEN – SHEDDACHHALLEN ALS FREIRAUM
Die sanierte Sheddachhalle als offene, großflächige Halle flexibel unterteilbar hat Ausgänge zum Schulhof und kann bei Schulfesten ins Zentrum rücken. Im Alltag ist sie Verteiler für Musikräume und Werken, Eingangsbereich wenn die Schule am Morgen mit Schülern geflutet wird und Mensa zur Mittagszeit. Bei Musikveranstaltungen wird sie zur Bühne. Sie ist multifunktional und schafft Freiraum.< br/> Die Bausubstanz ist in keinem guten Zustand. Es wird vorgeschlagen die bestehenden Klinkermauern zu erhalten und mit neuen Öffnungen behutsam den neuen Inhalt mit dem Außenraum zu verknüpfen. Über Innendämmung kann energetisch sinnvoll das neue Raumklima hergestellt werden. Die Gusseisenstützen sollten erhalten werden. Die Sheddachhallenkonstruktion wird mit ausreichend Dämmung und guter Verglasung neu errichtet. Soweit es die Funktionen zulassen, werden die Räume nur als Boxen eingestellt – WCs, Lager, etc.. Für Musikräume, Werken und Küche werden die Wände bis zur Dachkonstruktion geführt.

GANZTAG, PRIMARBEREICH, SEKUNDARBEREICH – GESTAPPELT UND SPANNEND MIT TREPPEN VERBUNDEN
Der Geschossbau bekommt zentral eine neue Treppe. Diese verbindet funktional aber auch räumlich. Die Geschossigkeit ist von oben bis unten ablesbar. Die Lernbereich werden aber auch vor zu viel ablenkender Offenheit geschützt.
Zwei verschlungene Treppen führen getrennt in den Primar- und in den Sekundarbereich. So wird die gewünschte Trennung realisiert, nicht thematisiert und flexibel gehalten.
Der Ganztagsbereich und die Garderoben im Erdgeschoss sind nah zu den Freiflächen und den Eingängen.
Der Primarbereich liegt in den unteren, der Sekundarbereich in den oberen Geschossen damit die kleineren Kinder den kürzeren Weg haben.
Die Bausubstanz ist angegriffen aber insgesamt sehr wertvoll. Sie wird weitestgehend erhalten, saniert und durch eine neue Klimahülle an der Innenseite der Außenwände ergänzt. Diese neue Hülle ist eine Innendämmung und bei den opaken Bauteilen werden neue raumhohe Flügelfenster ergänzt. So entsteht in der Ebene des Kastenfensters ein Klimapuffer der auch als Raumerweiterung genutzt werden kann.
Die Klassenräume liegen an der Fassade, in der Mitte bleibt eine sich teilweise zur Fassade erstreckende Aufenthalts- und Erschließungszone. Diese kann flexibel strukturiert und genutzt werden. Die Klassenräume können über Doppelflügeltüren dazugeschaltet oder abgekoppelt werden. Der/ die LehrerInnen haben über ein Fenster Kontrollmöglichkeit nach außen.
Die Fachklassen sind von den Clustern zu erreichen. Sie sind über die Geschosse hinweg über ein eigenes Treppenhaus angeschlossen.

VERWALTUNG UND LEHRERARBEIT – TROCKNUNGSHAUS UND KESSELHALLE
Die Räume auf zwei Geschossen mit unterschiedlichen Höhen liegen zwischen Klassentrakt, Eingang, Aula und Fachklassen. Die Wege für die Lehrer sind kurz. Die einzelnen Räume liegen an der Fassade, die Erschließung liegt zentral.
Die thermische Sanierung erfolgt analog dem Geschossbau.

FREIANLAGEN

VORPLATZ | FREIRAUM

MATERIALITÄT | UNVERKRAMPFT NATÜRLICH
Der Industriecharme von Klinker, Stahlbeton und Stahl wird aufgegriffen und durch neue warme Materialien ergänzt – Holztüren, abgehängte Holzwollezementdecken, hölzerne Möbel.
Es soll ein natürliches, unkompliziertes Gebäude entstehen. Die Bodenbeläge sind alle robust und beständig, aus Beton bzw. Asphalt. Durch Anschleifen der Oberfläche bekommen diese kalten Materialien die ihnen innewohnende Natürlichkeit zurück und werden zu edlem Stein.
Die Decken werden offen installiert, wobei aufwendige Haustechnik auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt wird. Großflächig wird die Decke mit schallschluckenden und preiswerten Material wie Heralan o.ä. belegt, so kann eine angenehm ruhige Akustik erreicht werden.

10 THESEN ERFÜLLT?
Die 10 Thesen – Anforderungen an einen zukunftsfähigen Schulbau – Quelle: Montagsstiftung – will der Entwurf erfüllen; daran misst er sich:
LERNEN BRAUCHT RUHE, LICHT UND LUFT. Von ungesunden Räumen zu konsequenter Schallreduktion, mehr Licht, großen Bewegungsflächen.
LERNEN BENÖTIGT UNTERSCHIEDLICHE PERSPEKTIVEN UND AKTIVE ZUGÄNGE. Vom Instruktionsraum zu vielfältig nutzbaren Räumen: Werkstätten, Bühnen, Ateliers.
GERLERNT WIRD ALLEIN, ZU ZWEIT, IN DER KLEINGRUPPE UND IM KLASSENVERBAND. Vom engen Klassenzimmer zur differenzierten Lernlandschaft.
FÖRDERUNG IN EINER INKLUSIVEN SCHULE GESCHIEHT IN HETEROGENEN GRUPPEN. Von getrennten Schulstandorten zur inklusiven Schule.
GANZTAGSSCHULE HEISST LERNEN, TOBEN, VERWEILEN, REDEN, ESSEN UND VIELES MEHR – IN EINEM GESUNDEN RHYTMUS. Von halligen, dunklen Fluren zu abwechslungsreichen Aktionsflächen außen und innen.
LEHRER ARBEITEN NICHT ALS „EINZELKÄMPFER“, SONDERN IM TEAM. Vom überlasteten Lehrerzimmer zu Teamstationen und Lehrerarbeitsplätzen.
SCHULBUCH UND KREIDETAFEL WERDEN ERGÄNZT DURCH TABLET UND SMARTBOARD. Von abgeschlossenen Komplettlösungen zu „Leerrohren“.
KULTURELLES LERNEN IST DER ECKSTEIN DER BILDUNG. Vom reinen Funktionsbau zum empfindsam gestalteten Ort. KINDER UND JUGENDLICHE BRAUCHEN EINE GESUNDE UMGEBUNG. Vom Pausenhof zu Bewegungslandschaften, vom Speiseraum zur „Mensa Plus“.
SCHULE IST IM UMGANG MIT DER UMWELT UND TECHNIK EIN VORBILD. Von unsichtbarer Gebäudetechnik zu begreifbaren Modellen.
DER DEMOKRATISCHE STAAT BENÖTIGT EINE DEMOKRATISCHE SCHULE. Von einer Schule ohne Mittelpunkt zu einem gemeinsamen Ort für die Schulgemeinde.
DIE SCHULE ÖFFNET SICH ZUR STADT. DIE STADT ÖFFNET SICH ZUR SCHULE. Von der geschlossenen Schule zur wechselseitigen Nutzung zentraler Funktionsbereiche.