SPORTHALLE KEPLER- UND
HUMBOLDT-GYMNASIUM
ULM

geladener Planungswettbewerb
(Bewerbungsverfahren)

Matthias Seyfert
Dietmar Moser

Jörn Besser
Clemens Steininger

Statik: B. Klotzmann

08|2011 – 09|2011

ENTWURFSKONZEPT

Der Sporthallenneubau des Kepler- und Humboldtgymnasiums stellt sich selbstbewusst neben die beiden geplanten Neubauten der Staatsanwaltschaft. Er nimmt deren Proportionen sowie das Versetzen der Baukörper auf und führt die begonnene Höhenstaffelung fort. Der Platz vor der Staatsanwaltschaft wird nun von drei Seiten gefasst. Von der Olgastraße hingegen rückt der Sporthallenneubau zurück und gibt einem neuen Schulvorplatz Raum. Dieser geht durch das Anheben des Neubaus fließend in dessen Erdgeschoss über und führt weiter bis zu den Bestandsbauten der Gymnasien. So bekommen die von der Straßenbahnhaltestelle kommenden Schüler und Lehrer ihr Entree und die beiden Gymnasien eine neue Adresse zur Olgastraße.

OFFENE ERDGESCHOSSZONE

Das Erdgeschoss des Turnhallenneubaus fungiert durch das Anheben des Baukörpers als gedeckte Zugangszone und wiederholt so das Thema des gedeckten Eingangs der Bestandsbebauung der Keplerstraße: Vom neuen Vorplatz geht man unter dem Gebäude hindurch auf das Schulgelände. Zwischen Sporthallenneubau und Gymnasium wird analog zum Bestand eine Hofzone ausgebildet, die von beiden Gymnasien gemeinsam genutzte Funktionen beinhaltet. Auch die Offenheit und Durchlässigkeit der bestehenden Schulen wird im Entwurf aufgegriffen und weiterentwickelt. Den verschiedenen Eingangssituationen wird eine weitere, für die Sporthallen und Schulen gleichsam wichtige, hinzugefügt. Dadurch verlagert sich das Gewicht der Zugänge mehr nach Südwesten zu den Haupteingängen hin.

Die neu zu schaffenden Freiraumbereich sowie die Turnhalle eint eine gemeinsame Formensprache. Es werden drei Freiflächen besonders herausgearbeitet - der erwähnte Vorplatz als neue Adresse der Schulen, der Zwischenhof als Pausen- und Freizeitbereich sowie der Sportplatz. Dieser ist in einen Bereich für Tischtennis und in den Hartplatz aufgeteilt und wie die beiden anderen Freiflächen in Form, Material und Höhenentwicklung von der Umgebung abgehoben. Die enge Verbindung zwischen Freiflächengestaltung und Architektur zeigt sich im fließend in den Turnhallenneubau übergehenden Vorplatz. Der Boden wird sich als Stütze des Gebäudes aufgefaltet, bis ins Innere gezogen und wiederholt das formale Thema des Vorplatzes als Kletterwand in der Vertikale.

ERSCHLIESSUNG

Man betritt die neuen Sporthallen über den zum Vorplatz gelagerten der beiden Füße des Gebäudes. Wahlweise kann man den Lift, die Treppe oder die Kletterwand als Zugang für die oberen Geschosse verwenden. Im zweiten Fuß befindet sich ein Geräteraum für den Außenbereich. Empfangender Raum im ersten Obergeschoss / Hauptgeschoss ist das zur Olgastraße orientierte, weithin sichtbare und sich über alle Ebenen erstreckende Foyer. Über diesen zentralen, verbindenden Raum erfolgt der Zugang zu den Sporthallen und zugehörigen Räumen. Die das Foyer beherrschende Kletterwandnutzung bereichert zudem das Sportangebot der Schule und bildet einen Blicke fangenden Auftakt für das Schulensemble.

Die Turnhalle des 1. Obergeschosses orientiert sich mit der Kurzseite zum Foyer, an ihrer Längsseite befinden Geräteraum und der zweite Fluchtweg. Dieser führt über ein neues, an die Bestandshalle anbindendes Vordach zwischen neuem Hartplatz und Bestand ins Freie. Ebenfalls zum Foyer orientieren sich Lehrerraum, WC und Putzraum. Im Zwischengeschoss liegen die zur Halle gehörenden Umkleideräume und Duschen für Schüler und Lehrer. Ein großes Fenster erlaubt Einblick in die tiefer liegende Sporthalle und eine Kommunikation über die Geschosse hinweg. Analog dazu sind die beiden anderen Sporthallen und zugehörigen Räume in den darüber folgenden Obergeschossen angeordnet. Konstruktiv wird das Gebäude als Stahlbetonmassivbau errichtet. Die Sporthallenlängswände leiten die Lasten in die beiden Füße, der Lift wirkt aussteifend, die Betondecken im Foyer sind von oben abgehängt. Die Systemskizze Statik auf den Plänen vertieft die Textbeschreibung noch. Von relevanten Bauteilen können Berechnungen nachgeliefert werden.

BELICHTUNG

Die Belichtung der Turnhallen erfolgt jeweils über ein großes Oberlicht an der Hallenlängswand. Im Zusammenspiel mit hellen Oberflächen kann der Kunstlichteinsatz reduziert werden. Die Nebenräume werden ebenfalls über Oberlichter belichtet.

HAUSTECHNIK

Die Haustechnik kann in den bisherigen Geräteräumen der bestehenden Sporthalle untergebracht und vertikal (in der Nähe des Liftes) in die Sporthallen verzogen werden. So kann im Zusammenspiel kompakter Baukörper, gute Wärmedämmung, maßvolle Fensteröffnungen und zentrale, mechanische Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung der Passivhausstandart mit einem Heizwärmebedarf von maximal 15kWh/m2a und einem Primärenergiebedarf von maximal 120 kWh/m2a erreicht werden, worüber hinaus der Primärenergiebedarf CO2 neutral bzw. Plusenergiestandard ist.

Ein gut geplantes und in der Ausführung geprüftes Luftdichtigkeitskonzept ist Usus. Automatisch geregelten Sonnenschutz vermeidet die sommerliche Überwärmung. Das optimiert dimensionierte Niedertemperatursystem (Fußboden / Decke) mit Einzelraumregelung dient als Raumheizung für sämtliche Nutzbereiche. Brauchwarmwasserbereitung erfolgt über eine thermische Kollektoranlage auf der Dachfläche des Gebäudes. Optimal Ausgerichtet und ohne Verschattung kann ein hoher Anteil des Brauchwassers so erwärmt werden. Das verbindende Foyer wird als Klimapuffer geplant, welcher die kühlere Nachtluft in den Sommermonaten verwendet um Kühlenergie zu speichern. Zur Temperaturreduzierung in den Sporthallen wird die Zuluft über die Temperatursenke des vorkonditionierten Bereichs des Foyers herangezogen. Für die Unterstützung der thermischen Nachtkühlung ist der Einsatz von Schubventilatoren geplant.